Meine Füße wollen mich nicht tragen

Meine Füße wollen mich nicht mehr tragen.

Seit einigen Wochen ist der Schmerz in meinen Füßen und vor allem in den Fußsohlen immer heftiger geworden. Nicht, dass ich diesen Schmerz nicht kenne, aber im Moment ist er extrem. Schmerzen in den Füßen gehören zu der Erkrankung Fibromyalgie dazu, wie die Dauerschmerzen in einzelnen Muskelpartien und dem Gefühl ständig einen schlimmen Muskelkater zu haben. Ich weiß nie welcher Schmerz mich gerade am meisten nervt. Tatsache ist: ich habe stets damit zu tun – eine bestimmte Körperregion schmerzt besonders stark, meist über Wochen. Mal ist es der Rücken, dann sind es die Hände und Arme und jetzt sind es meine Füße.

Wenn ich morgens auf stehe, kann ich kaum auftreten. Die ersten Schritte sind wahnsinnig schmerzhaft und eine Art Taubheitsgefühl in den Fußsohlen gibt mir das Gefühl auf Eiern zu laufen. Schwankend und unsicher bewege ich mich vom Bett zur Toilette. Meist wird es nach einigen Schritten besser, jedenfalls denke ich das. Vielleicht ist es aber auch so, dass ich mich jeden Tag neu an den Schmerz gewöhnen muss.

 Egal, was ich mache, meine Füße brennen die ganze Zeit wie Feuer und ein pochender nicht nachlassender Schmerz begleitet mich den ganzen Tag. Im Bett unter der Bettdecke ist es besonders schlimm, als wenn die Wärme den Schmerz verstärkt. Also halte ich logischerweise die Füße aus dem Bett, damit die kühle Luft mir Linderung verschafft.

Eine Maßnahme, die wirkungslos bleibt, so wie alle anderen Maßnahmen und Versuche auch. Ich habe sämtliche Fußcremes probiert, weil ich das Bedürfnis habe meine Füße mit einer lindernden und kühlen Creme zu massieren. Das verschafft mir aber nur für fünf Minuten ein wohliges Gefühl, bringt aber letztlich gar nichts.

Meine Füße wollen mich nicht mehr tragen!

Auf den Füßen sicher stehen und gehen ist für mich ein Ausdruck von Standfestigkeit. Im Stand finde ich mein Gleichgewicht, wobei die Füße eine tragendende Rolle spielen. Das bemerke ich immer wieder beim Yoga. Auch bei schwierigen Anasas im Stehen, kann ich über die Füße meine Balance finden.

Der Schmerz bringt mich aus dem Gleichgewicht!

Tanzen, Yoga machen, spazieren gehen, wandern, walken – das alles ist nur unter Schmerzen möglich. Besonders schlimm ist es, wenn ich enge Schuhe trage und je nach Wetter oder Bewegungsart auch tragen muss. Am besten geht es, wenn ich barfuß gehe oder barfuß Yoga mache. Dann entspannen sich die Muskeln beim Gehen langsam und ich habe irgendwann das Gefühl fast schmerzfrei gehen zu können.

Paradox ist, dass die Schmerzen im Liegen oder Sitzen schlimmer werden. Ich kann dem Schmerz nicht entkommen und diese Ausweglosigkeit macht mir am meisten zu schaffen. Gegen den Schmerz ankämpfen ist sinnlos, ebenso der Versuch ihn zu ignorieren.

Ich habe keine Wahl: vertrauensvoll wende ich mich innerlich an meine Selbstheilungskräfte und nutze die Gelegenheit hier in dem großen Garten behutsam und achtsam Schritt für Schritt barfuß zu gehen, meinen Füßen liebvoll die Möglichkeit zu geben sich zu entspannen und sie mit einer kühlenden Fußcreme zu verwöhnen.

Ich weiß nicht, ob es tatsächlich das Barfußlaufen oder vielmehr die Ablenkung durch die vielen schönen Sinneswahnehmungen hier in dem Garten sind, die mir ein Gefühl der Linderung verschaffen. Vielleicht spielt das auch keine Rolle – wichtiger erscheint mir der Moment, den ich genießen und in dem ich kurz meine Schmerzen vergessen kann.

 

 

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10 Kommentare

  1. Christina Henze

    Seit vielen, vielen Jahren habe ich diese schmerzhaften Hände und Füße. Wie oft saß ich schon weinend im Bett und bin echt kein wehleidig Typ. Mich rettet meine Kreativität, oft male ich besonders nach den schlimmsten Schmerzschüben. Meine Bilder zeigen Bazillenartige Gebilde , es hilft mir zu glauben , es hätte eine erklärbare Ursache…………… Es hilft mir, zu lesen, dass ich nicht alleine bin mit diesen Symtomen. Und ich träume wie jeder von uns , Sie wieder los zu werden……..LG Christina

    • Heute Nacht habe ich schon wieder wegen der schmerzenden brennenden Füße kaum geschlafen. Um halb sechs stehe ich auf, mache meinen Computer an und lese deinen Kommentar….was soll ich sagen? Ich bin gerührt,freue mich total, wenn mein Blog zum Austausch anregt und bin gleichzeitig immer wieder entsetzt, weil so viele Menschen unter diesen Symptomen leiden und es so wenig Möglichkeiten zur Behandlung gibt. Kreativität ist auch für mich ein Mittel mit den Schmerzen irgendwie zurecht zu kommen. Ich male kleine Aquarellbilder, stelle kleine Dinge mit der Nähmaschine her und schreibe meinen Blog. Schreiben ist für mich meine neue Entdeckung und ich kann es jedem empfehlen, erst recht, wenn man von sich denkt es nicht zu können!
      Danke dir, für deinen schönen Kommentar und deine Offenheit!
      Liebe Grüße Claudia

  2. sandra

    Als ich in Sendenhorst zur Diagnosestellubg war, kam ich mir seltsam vor. Ich hatte zwei Ältere Damen auf dem Zimmer. Eine war über 50 die andere an die 70. Beide gingen normal. Nur ich war diejenige die die ersten Schritte aus dem Bett wie im Entengang watschelt. Auch nach der Mittagspause ect. Ich bin 34 und hatte das Gefühl weit älter als die zwei zu sein. Wenn ich erst mal „geölt“ war könnte ich auch schnell walken. Nur erst mal in Gang zu kommen ist schwierig.

    • Das ist bei mir in der Regel auch so. Wenn ich die ersten Schritte gemacht und den Schmerz überwunden habe, kann ich relativ schnell walken, sowie Spaziergänge und kleine Wanderungen unternehmen. Leider geht selbst das im Moment nicht. Der Schmerz in meinen Füßen kommt mir schlimmer vor denn je. Aber was immer hilfreich und wohltuend ist: barfuß laufen wo und wann immer ich kann. Ich trage auch fast nur noch Schuhe mit einer Barfußsohle…..Sehr angenehm!
      Zum Schluß eine kleine Anmerkung, die ich mir nicht verkneifen kann: ich finde es lustig, dass du eine Frau im Alter von 50 + als eine ältere Dame bezeichnest. Ich bin 50 und fühle mich manchmal noch ganz jung 🙂 Alter, Aussehen, körperliche Einschränkungen und das Gefühl 100 Jahre alt zu sein – eine Melange aus täglich wechselnden Gefühlen!
      Lg Claudia

  3. Andrea

    Meine Schmerzzwerge sitzen gerade auch verstärkt an den Füßen. Ich stelle mir dann immer so kleine, eklige Burschen mit Spitzhacken vor. Nachts stechen die Biester in meine Fußsohlen oder auch in die Knöchel und seit Neuestem haben sie auch meine Zehen als Einsatzgebiet erobert.
    Wir haben schon wirklich eine bescheuerte Krankheit. Wenn ich das jemandem erzähle, der keine Fibromyalgie hat, kann ich immer den Unglauben lesen.
    Weil es so etwas doch gar nicht geben k a n n. Tja, gibt es leider doch. Jeden Tag und 24 Stunden lang. Manchmal ist es zum Heulen.
    Für das Barfußlaufenkönnen beneide ich Dich. Geht bei mir leider gar nicht. Als Alternative trage ich gut gepolsterte Flip-Flops. Letztes Jahr waren es eher Clogs, aber nach einem Zehenkrampf mit in den Luftlöchern feststeckender Zehe, ist mir die offene Variante lieber. An geschlossene Schuhe mag ich jetzt gar nicht denken.
    Ich wünsche uns Allen gute Energie und ein möglichst schmerzarmes Wochenende.

    • Liebe Andrea,

      ich danke dir sehr für deinen ausführlichen Kommentar und deine Beschreibungen. Ich finde es sehr hilfreich von dir zu hören, wie es dir mit den schmerzenden Füßen geht und welchen Umgang du für dich gefunden hast. Auch wenn es bisher kein wirksames Medikament gibt, gebe ich die Hoffnung nicht auf. Irgendwann ist die Medizin vielleicht so weit, dass die Fibromyalgie verstanden und behandelbar wird. Keine Erklärung für die extremen Schmerzen und keine Ahnung über die Ursache zu haben, macht mir zu schaffen. Aus diesem Grund ist es mir so wichtig die Fibromyalgie durch einen Blog bekannt zu machen und vielleicht noch mehr in den Fokus medizinischer Forschung zu bringen.
      Ich freue mich über jeden Kommentar und hoff dass viele Menschen wie du meinen Blog lesen.
      Liebe Grüße Claudia

  4. Sonja Lüder

    Danke für diesen Bericht. Seit nun fast 2 Jahren Schmerzen meine Füße permanent- es gibt sehr wenige Tage an denen ich mir der Schmerzen nicht bewusst bin. Vor ungefähr genau so langer Zeit fing meine „Leidens- Geschichte“ an. Wahrscheinlich ausgelöst / oder letzendlich verstärkt durch den Epstein-Bar-Virus, der im Herbst 2015 in meinem Körper wütete, nahmen die Schmerzen in Füße, Hände und Rumpf zu. Mir haben früher bei längerem Stehen, oder bei grippalen Infekten, die Füße/Glieder weh getan. Ich habe mich immer gefragt warum andere diese Schmerzen nicht verspüren, wenn sie krank sind (man schaute mich immer nur verständnislos an, wenn ich erzählte ich habe eine Erkältung und mir tun die Glieder weh)- heute denke ich mir dass ich früher schon Anzeichen einer Fibromyalgie (sehr leichte Form) gehabt haben muss. Letztlich habe ich meine Diagnose am Anfang diesen Jahres erhalten- nachdem alles Andere ausgeschlossen wurde.Ich bin 36 Jahre alt, und muss erst noch meinen Weg finden mit der Fibro umzugehen. Ich bin aber froh solche Bericht zu Lesen- das Zeigt mir dass ich nicht alleine bin.

    Alles Liebe und viel Kraft

    Sonni

    • Liebe Sonja,

      auch dir ein großes Dankeschön für deinen Kommentar. Mich macht es immer traurig, wenn ich lese wie sehr Menschen, wie sehr du und ich unter der Fibromyalgie zu leiden haben. Gleichzeitig hilft mir der Austausch und ich bin froh , wenn hier diskutiert und geredet wird. Ich habe meine Diagnose vor 17 Jahren mit 34 bekommen und bis heute habe ich nicht „den richtigen Weg“ im Umgang mit der Erkrankungen gefunden. Ehrlich gesagt weiß ich auch nicht, ob das überhaupt möglich ist. Ich fühle mich oft von bestimmten Schmerzen so überrumpelt und ohne Vorwarnung in eine nächste Krise gestürzt….ich kann das Gefühl kaum beschreiben. So wie momentan die Schmerzen in den Füßen: keine Ahnung, warum sie zur Zeit so weh tun und was ich dagegen tun könnte. Was mich vor der Verzweiflung rettet sind meine Geschreibsel hier auf meinem Blog und meine Kreativität und natürlich bin ich glücklich darüber, dass ich meine Lebensfreude nie verloren habe 🙂

  5. Gabi Tiedt

    Hallo, durch Zufall bin ich auf diese Seite gestoßen, vielen Dank ,dass es sie gibt! ich lebe seit 12 Jahren mit der Diagnose Fibro, hab alles gemacht, was man mir so “ aufgetragen“ hat, ( sie müssen dies machen und das auch noch) Es hat nicht viel gebracht. Ich hab wie ihr Schmerzen in den Füßen , Händen und Gesäß. Was mir ein bisschen hilft ist kühlen. Wärme kann ich gar nicht ab. Seit 8 Jahren gehe ich zur Psychotherapie,in den ersten Jahren war ich so am Ende , da war die Therapie meine Rettung. Seit 7 Jahren bin ich berentet . Jetzt bin icch so weit dass ich nur noch Sachen mache, die mir gut tun. Ich hab vor 5 Jahren in der Therapie angefangen zu malen. Das erste Bild war ein Schmerzbild, es war gruselig. Jetzt sind es schon bessere Bilder. Ich arbeite gerne in unserem kleinen Garten und mach Arbeiten mit Beton. Also Ablenkung vom Schmerz ist das A und O. Und ich hab eine alte Nähmaschiene wieder zum Leben erweckt.
    Das war jetzt super, alles aufzuschreiben, danke🌸 Vielleicht liest es jemand, wäre schön🌸

    • Liebe Gabi,

      vielen Dank für deinen Kommentar und ausführlichen Bericht ….mit tut es immer gut zu hören, wie es anderen Menschen mit Fibromyalgie geht. Mich würde noch interessieren wie lange das bei dir mit dem Rentenantrag gedauert hat. Ich habe einen Antrag auf Erwerbsminderungsrente gestellt, der natürlich abgelehnt wurde.Inzwischen habe ich Klage eingereicht und warte schon fast drei Jahre auf eine Entscheidung. Wenn ich nicht so eine gute Unterstützung von meiner Familie bekäme, weiß ich nicht, wie es mir derzeit mit der Situation gehen würde.
      Auch ich habe meine Nähmaschine nach langen Jahren wieder aktiviert und ich male kleine Aquarellbilder. Das entspannt mich und lenkt von den Schmerzen ab. Auch das Schreiben hilft ein bisschen.

      Lg cliX

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