„Sehnsucht – it hurts me“

Meine Sehnsucht nach Natur, Ruhe und Landleben ist so stark, wie schon lange nicht mehr.
Nicht Kreta mit seinen atemberaubenden Bergen und dem Mittelmeer und auch nicht die Naturschönheiten Brasiliens haben mich so intensiv an mein anstrengendes Dasein in einer Großstadt erinnert, wie dieses verträumte kleine Dorf Gajowka in Polen.

Eine immer wiederkehrende existenzielle Frage drängt sich mir auf und die Sehnsucht hat mich kalt erwischt:

„Was, um Gottes Willen, mache ich in einer Großstadt wie Berlin?“

Berlin ist laut, schmutzig, verkommen, stressig, viel zu voll und viel zu touristisch. Die Stadt überfordert mich, sie ist eine einzige Reizüberflutung. Ein kurzer Weg zum Supermarkt kann unglaublich anstrengend für mich sein, weil ich gefühlten hundert Leuten ausweichen muss, wenn ich nicht angerempelt oder sogar angefahren werden will. Ich bin ständig auf HalbachtStellung, damit ich mich etwaiger Anmache zur Wehr setzten kann. Mir kommt es so vor, als ob ich nur noch mit einer gewissen Portion Misstrauen auf die Straße gehen kann. Freundlichkeit? Höflichkeit? Respekt? Das sind nicht unbedingt Eigenschaften, die den typischen Berliner (gibt es den überhaupt noch, oder ist er nur noch ein Mythos?) kennzeichnen. Der Ton ist aggressiv und scharf , ebenso die Verhaltensweisen im Verkehr.

Ich bin krank! Ich habe Fibromyalgie und zwar schon seit mehr als 30 Jahren! Wem diese Krankheit bekannt ist, der weiß, wie ruhebedürftig Menschen mit Fibromyalgie sind. Reizüberflutung und Stress sollte tunlichst vermieden werden. Aus diesem Grund quäle ich mich schon lange Jahre nicht nur mit chronischen Schmerzen, sondern mit der ewig ungestillten Sehnsucht nach Ruhe.

Ich sehne mich nach einem Platz wie diesen hier, wo mich morgens die Vögel wecken, der Wind in den Blättern rauscht und der Regen aufs Dach prasselt. Katzen streunen um mich herum, legen sich in meinen Schoß und fangen sofort an zu schnurren, wenn ich sie kraule. Die Wiese lockt mit saftigen Wildkräutern, wie Löwenzahn, Girsch, Sauerampfer und Minze, bereit gepflückt und zu einem leckeren grünen Smoothie verarbeitet zu werden. Keine Menschenseele weit und breit, wenn ich morgens meine Runde walken gehe. Kaum ein Auto überholt mich, nur der Hahn kräht und ein Hund bellt. Mit jedem Tag, den wir hier verbringen, wächst meine Sehnsucht und stellt mein Leben in Berlin in Frage.

„ Sehnsucht – it hurts me“ – wie schmerzhaft kann Sehnsucht sein?

Die Uhren ticken hier langsamer, ein Tag ist voll von Sinneswahrnehmungen gepaart mit Stille, innere Freude und Zufriedenheit. Ich weiß nicht, ob ich mir das einbilde, aber Gajowka hat für mich eine ganz besondere Energie. Ich wüsste gerne, wie es ist hier zu leben. Ist es möglich einen ganz normalen Alltag mit allen Verpflichtungen zu leben und sich gleichzeitig diese Qualität der Ruhe und Zufriedenheit zu erhalten? Oder ist das ein typisches Urlaubsgefühl und meine Neigung ein Leben auf dem Land zu romantisieren?

Beim walken höre ich mein derzeitiges Lieblingsalbum von 2raumwohnung und bei einem Song ist sie wieder da: die Gänsehaut!!!! Ich bin die Bass drum – Du bist der Bass…..was immer sei, Berlin bleibt frei“ . Die Vorstellung nicht in Berlin zu leben macht mir Angst.

„It very hurts , a kind of hurts, but I like it!“