Letzte StationAgios Ioannis

Die Tage auf Kreta sind gezählt und unser Urlaub neigt sich dem Ende zu. Bei einem Sparziergang von Agios Ioannis zu einem wunderschönen Aussichtspunkt, von dem aus wir das riesige weite Meer und die Bucht Agios Pavlos sehen konnten, hatten mein Liebster und ich die Gelegenheit die hinter uns liegenden Tage und die vielen schönen, sowie nicht so schönen Ereignisse Revue passieren zu lassen. Wir haben inzwischen Lykos den Rücken gekehrt und sind in Agios Ioannis, einem kleinen Bergdorf, das westlich der AradennaSchlucht in 800 Meter Höhe gelegen ist. Von hier aus lassen sich mehrere wunderschöne Wanderungen machen, da ich aber keine Bergschuhe dabei habe und mir meine Füße immer noch weh tun, müssen wir uns auf kleinere Sparziergänge beschränken. Zum Glück fällt uns das beiden zur Zeit gar nicht schwer, denn wir genießen vor allem die Ruhe hier.

Im Moment prasselt ein gemütliches Feuer im Ofen, ich sitze unter der Decke gekuschelt und schreibe. Dabei höre ich nur zart ein paar Vögel von draußen, das Feuer im Ofen und den leisen Atem meines Mannes, der neben mir schläft. Unser Zimmer bei Antonis und Anna ist ein Traum, ein Kleinod mitten in der Natur und wie gemacht, um sich wirklich zu erholen.

Ich muss mich anscheinend vor allem von mir selbst erholen, von meinen viel zu hohen Erwartungen an mich selbst und von meiner unangemessenen Enttäuschung, wenn ich mich nicht an meine Vorhaben gehalten habe. Dann bin ich extrem enttäuscht von mir, frustriert und genervt. Meine Selbstvorwürfe enden bei Gedanken wie: “Selber Schuld, wenn es dir hier nicht besser geht!“

Meine Füße tun mir immer noch weh und ich spüre auch wieder mehr Verspannung im Rücken und in den Schultern. Immerhin habe ich seit einigen Tagen, seit der Behandlung von Karim ein anderes Körpergefühl. Ich glaube nicht an Heilung und ich suche auch keinen „Heiler“ – wie sympathisch, das Karim sich nicht als Heiler bezeichnet und das Wort Heilung vermeidet! Karim hat mir durch seine Behandlung geholfen eine innere Balance zu spüren. Ich weiß jetzt wieder, wie es sich anfühlt, wenn sich Körper und Seele in einer Balance befinden. Das ist ein ausgesprochen schönes Gefühl, welches ich leider zu selten habe. Er hat mir gewissermaßen die Augen geöffnet, mir einen Schubs gegeben. Denn eins ist mir durch seine Behandlung klar geworden: ich möchte mich wieder mehr um mich kümmern! Ich möchte da wieder hin, zu diesem Gefühl von innerer Balance! Und ich möchte mich mit meinem eigenen Scheitern anfreunden und milder mit mir selbst umgehen.

Sobald ich in Berlin bin, werde ich wieder mehr Yoga und Meditation praktizieren und meine Ernährung noch bewusster gestalten. Ich spüre diese Gewissheit in mir, dass mir das hilft und ich meine Selbstheilungskräfte anregen kann. Mir hat die Begegnung mit Karim und seiner Frau Sylvie Mut gemacht in meinem Leben etwas zu verändern.

Zugegebenermaßen haben sich aber auch die Bedingungen an meinem Lieblingsort Lykos etwas verändert und ich muss etwas wehmütig feststellen: es lag nicht nur an mir, dass ich dieses mal nicht zur Ruhe kommen konnte. Es gibt viel Streit und Zorn in der Bucht. Ein Nachbar macht allen anderen Menschen dort das Leben schwer. Zwar bekommt man das als Tourist oft nicht mit, da wir aber schon so oft dort waren, hat sich für uns spürbar die Atmosphäre verändert. Es wäre außerdem wünschenswert, wenn wieder mehr Touristen dort Urlaub machen würden, die eine Wertschätzung dafür empfinden, was ihnen der Ort Lykos schenken kann.

Hier in Agios Ioannis ist es einfach nur ruhig und friedlich! Ein Platz der wie geschaffen dafür ist, seine Seele baumeln und seinen Geist zur Ruhe kommen zu lassen. Einfach nur hier sitzen und in die Berge schauen, die Stille und die Natur genießen.