Den Stoff für meine ersten Beutel habe ich auf dem Stoffmarkt am Maybachufer gekauft. Hier findest du wahnsinnig viele schöne Stoffe und alle anderen Nähutensilien. Außerdem gibt es jede Menge schönen Schmuck, Kleidung, selbstgemachte Seifen, Gewürze und verlockendes Essen. Du kannst dich inspirieren lassen und findest vielleicht Ideen für dich.

Ich habe so viel Spaß am nähen, ich kann gar nicht mehr aufhören. Es ist für mich wie ein kleines Wunder, weil ich so lange wegen der Schmerzen nicht nähen konnte und weil ich meine Kreativität und meine Lebensfreude neu entdecken kann. Das Nähen dieser Beutel ist wirklich ganz einfach. Du brauchst keine großen Fachkenntnisse, sondern nur einen schönen Stoff und eine gut funktionierende Nähmaschine. In wenigen Schritten ist der Beutel in maximal einer Stunde fertig. Was in Bezug auf meine Erkrankung wichtig ist: es gibt keine kniffelige mühselige Feinarbeit. Denn das verursacht immer starke Schmerzen in den Händen. Seit ich meinen ersten Stoffbeutel genäht habe, trage ich sie nur noch. Ich habe mir zu jedem Outfit passend einen genäht und viele meiner Beutel habe ich verschenkt.

Was ihr noch erfahren solltet, weil es ein Teil von mir und meiner Geschichte und meinem Leben mit der Fibromyalgie ist. Ich habe hier mal ganz bewusst nicht von Leidensweg gesprochen, obwohl ich ganz besonders in Bezug auf meine Kreativität gelitten habe. Schon in meiner Kindheit war ich unglaublich kreativ und sicher auch sehr geschickt. Malen, Zeichnen, Basteln, Töpfern, Stricken, Häkeln, Nähen, das ganze Programm. Im Malen habe ich mich oft ganz frei und losgelöst gefühlt und konnte alles um mich herum vergessen.

Leider hatte das spätestens ab dem Zeitpunkt, als ich bestimmte Bilder malen wollte, um zu gefallen, aufgehört. Ich habe mich dann mehr an Strickmuster und der Herstellung von Klamotten gehalten. Als Jugendliche habe ich viel von meiner Oma gelernt und die Schule habe ich nur überlebt, weil ich pausenlos im Unterricht gestrickt habe. Das Stricken bot mir einerseits die Möglichkeit meinen Bewegungsdrang zu verbergen, mich besser zu konzentrieren und meinen eigenen individuellen Kleidungsstil zu entwickeln.

Später auf der Fachschule für Haushalt habe ich nähen gelernt und zwar richtig professionell, so dass ich in der Lage war meine ganze Oberbekleidung  zu nähen. Richtig gepackt hat mich das Nähen aber erst als Mutter. Ich habe Hosen, Kleider, Jacken und alle möglichen kleinen Accessoires und Spielzeug für meine Kinder genäht. Ich habe die schönsten Stoffe verarbeitet. Häufig habe ich handgewebte Stoffe, Leinen, Biobaumwolle und aufwändig bedruckte Stoffe bestellt und mich an der guten Qualität gefreut.

Das ging eine ganze Weile gut und ich habe nicht gemerkt, ab wann ich meine Schmerzen in den Händen, Armen und den Schultern als eine Einschränkung wahrgenommen habe. Ich habe einfach weiter genäht, hatte immer neue Projekte und Ideen. Aber irgendwann musste ich mir eingestehen, dass ich mir selber schade, dass ich durch das Nähen Schmerzen verursache oder es zu einer Verschlimmerung kommt. Es half nichts, ich musste aus diesem Teufelskreis (nähen = Lust = Lebensfreude = Schmerz) raus. Da half nur radikale Akzeptanz. Allerdings war das ein längerer Prozess und ging mit viel Trauer und Wut einher.

Nach mehr als zehn Jahren wieder einfache Dinge nähen zu können, macht mich wahnsinnig glücklich, auch wenn ich immer noch eingeschränkt bin und nicht so drauf los legen kann, wie ich gerne möchte.