Gestern kam der Sturm und seit dem wirbelt ein starker Wind das Meer zu hohen Wellen auf.

Langsam kriechen die Wellen stürmisch und vereinnahmend den Strand hoch bis zur Terrasse. An Schwimmen ist bei dem Wetter nicht zu denken. Also lege ich mich an den Strand in die Sonne und lausche dem Wind und den gewaltigen Wellen. Mir wird schnell zu warm  und ich traue mich, ich nähere mich dem Wasser und den Wellen. Ich lege mich so auf die Steine, dass ich bei jeder Welle vom Wasser umspült werde. Die Wellen sind unterschiedlich stark und so weiß ich nicht, ob das Wasser nur bis zu meinem Bauch reicht oder auch meine Schultern umspülen wird. Ich habe die Augen zu und lasse mich auf diese Ungewissheit ein. Ich spüre bei jeder Welle ein kribbeln in meinem Bauch, eine kleine Aufregung von der schönen Sorte. Wird sich die nächste Welle kühl und nass über meine heißen Schultern oder sogar mein Gesicht ergießen oder nicht?

Das Schäumen der Wellen macht einen Schwarm von Schmetterlingen in meinen Bauch.

Wind und Wellen

20161110_084255-1_20161110_093843

Die schäumenden Wellen und die kleinen Kieselsteine umspülen meinen Körper, meine Haut und ich genieße dieses Körpergefühl.

Kein Schmerz, keine Anstrengung, keine Müdigkeit, keine Erschöpfung. Nichts von dem, was mich sonst stets begleitet.

Mit jeder Welle die sich kraftvoll über mich ergießt und mich ebenso kraftvoll mit sich reißen will, spüre ich Lebendigkeit und Leichtigkeit. Ein Glücksgefühl durchströmt mich. Ich könnte stundenlang so liegen bleiben. Einzig die Angst vor einem Sonnenbrand und der Hunger bewegen mich in den Schatten auf die Terrasse.

Am Abend zieht sich der Himmel zu und der Wind wird immer stärker. Die Wellen klatschen an die Felsen und hoch bis zur Terrasse. Das Wasser spritzt zu allen Seiten und der ganze Strand verschwindet in Wassermassen.

Mit dem Sturm kommt eine ganz bestimmte Stimmung auf und ergreift die Bucht. Es liegt Traurigkeit und Melancholie in der Luft. Die schäumenden Wellen erinnern mich an meine Wut. Meine Wut macht manchmal mit mir was sie will. Sie kommt und geht. Willkürlich, kaum steuerbar, mit schäumender Wucht oder langsam kriechend. Eine Wut, die ich gut kenne und die mir trotzdem fremd ist. Das bin doch nicht ich?

Mir wird klar: wenn ich über die Fibromyalgie schreiben will, dann komme ich um das Thema Wut nicht herum. Wut spielt eine große Rolle in meinem Leben und ich weiß nicht, ob zuerst die Wut oder die Fibromyalgie da war. Es wird mir sicher nicht leicht fallen, aber ich will mich dem Thema stellen und ich möchte allen Menschen, die an Fibromyalgie erkrankt sind, Mut machen das auch zu tun. Aus diesem Grund werde ich dem Thema ein ganzes Kapitel widmen.