Gedanken über meine Erwartungen und Wünsche. Das Ende meiner Reise – Zeit ein Fazit zu schreiben?

Am letzten Tag in Chania lese ich mit viel Zeit mein Reisetagebuch durch und stelle fest, dass ich mich frage, ob meine Erwartungen an diese Reise zu hoch waren. Sechs Wochen, eine lange Zeit, meine längste Reise bisher. Bevor es los ging, habe ich versucht mich vorzubereiten. Vor allem in Bezug auf meine Schmerzen hatte ich einige Vorhaben: regelmäßig Yoga machen, auf meine Ernährung achten, für ausreichend Bewegung sorgen und an meinem Blog schreiben….

Wie habe ich die letzten sechs Wochen erlebt? Wie steht es mit meinen Erwartungen und Wünsche an diese Reise? Hatte ich mir nicht vorgestellt eine ganz neue Erfahrung in Bezug auf meine Schmerzen und die Fibromyalgie zu machen? Hatte ich nicht erwartet, dass sich das Klima, die viele Sonne und das Licht positiv auswirken würden? Mit welchen Erschwernissen hatte ich nicht gerechnet? Bin ich achtsam genug mit mir selber umgegangen?

Für die Beantwortung all dieser Fragen, habe ich mir an unserem letzten Tag in Chania einige Stichpunkte gemacht. Wir haben Glück und werden mit blauem Himmel, Sonnenschein und warmen Temperaturen beschenkt. Chania, wie ich es nur im Frühling und Sommer kenne. In der Sonne mit Blick auf das Meer trinke ich meinen letzten Frappe und ein letzer Streifzug durch die Stadt hilft mir meine Gedanken fließen zu lassen.

Fange ich mit den positiven Erfahrungen und der gelungenen Umsetzung meiner Vorhaben an! Am wichtigsten war mir wohl im Vorfeld das Schreiben. Ich wollte endlich meine Idee einen Blog zu schreiben verwirklichen und jeden Tag schreiben. Und ich muss sagen, da mir das gelungen ist, bin ich ein wenig stolz auf mich. Ich habe tatsächlich nicht nur hier meine Beiträge geschrieben, sondern auch an einem Expose für ein Buch und ich habe zusätzlich meine Morgenseiten oder auch Tagebuch geschrieben. Die Tage auf Lykos sind lang und so konnte ich mich jeden Tag meinen Büchern widmen. In der Hängematte liegend oder abends im Bett habe ich insgesamt vier Bücher gelesen.

Zwischendurch, wenn ich eine Schreib – oder Lesepause brauchte, bin ich schwimmen gegangen. Im Prinzip so oft und so viel ich konnte, um ausreichend Bewegung zu bekommen. Gelegentlich habe ich auch kleine Wanderungen aus diesem Grund alleine unternommen. Dieses stille Gehen auf dem schroffen Felsen, Gedankenversunken und ganz für mich alleine, habe ich manchmal für eine “Gehmeditation” genutzt. Ich habe mich komplett auf meine Wahrnehmung konzentriert. Auf meinen Atem, die Geräusche um mich herum, den Geruch und die Farben. Schritt für Schritt nur Wahrnehmung, ganz achtsam und gegenwärtig in meinen Gedanken. Das waren ganz besonders intensive Momente, in denen ich erleben konnte wie sich Schritt für Schritt meine Sinne öffnen, wie ich wahrnehmen konnte aus welcher Richtung der Wind kommt und den Geruch der unterschiedlichen Kräuter in meine Nase wehte. Mit einem mal wurde mir die Schönheit der Natur bewusst und ein Glücksgefühl durchströmte meinen ganzen Körper.

Ein weiterer Glücksmoment dieser Reise war die Wiederkehr meiner Lust zu malen. Dem Mangel an Materialen zum trotz malte ich Steine mit meinen zwei einzigen Stiften an. Die Steine am Strand zu sammeln und anschließend im Schatten sitzend Muster zu zeichnen immer mit Blick auf das Wasser, die Sonnenflecken auf den Wellen, sich inspirieren lassen vom Zauber der Umgebung. Ein wichtiges Ereignis für mich als schmerzgeplagte Kunstschaffende.

Das ist ziemlich viel, ich könnte ein Lob von mir gebrauchen und mir selbst auf die Schulter klopfen. Lieber hänge ich meine Erwartungen noch höher! War da nicht noch was? Es kann ja wohl nicht sein, dass ich meinen eigenen Erwartungen gerecht geworden bin? Woher kommt sonst meine Unzufriedenheit?

Womit ich unzufrieden bin, ist das nicht enden wollende Thema Essen und Ernährung. Ich weiß so viel darüber und kenne meinen Körper gut! Ich ignoriere meine Körpersignale und beachte es nicht, wenn mein Magen mir sagt, dass es genug ist. Die Situation in Lykos hat es erforderlich gemacht, dass wir jeden Tag in eine Taverne zum essen gehen mussten. Eine Selbstverpflegung ist nicht möglich, da es an der Ausstattung in den Zimmern und an Supermärkten mangelt. Allerdings ist das Essen bei Meni im Georgoshouse, sowieso im Small Paradise großartig. Ich bin ein absoluter Genussmensch und esse wahnsinnig gerne. So habe ich mich also entgegen meines Vorhabens nicht vegan, ja nicht mal vegetarisch ernährt und außerdem zu jedem Essen Alkohol getrunken. Das Ergebnis davon wiegt mindestens drei Kilo und verhindert, dass ich in meine Jeans rein passe.

Schlimmer aber sind die entsetzlichen Schmerzen im Magen und Darm, die geschwollen Hände und meine damit einhergehende Unzufriedenheit und Trauer. An manchen Tagen haben diese Gefühle alles Schöne überdeckt. Ich habe mein Versprechen mir selbst gegenüber gebrochen, habe mich trotzig darüber hinweg gesetzt und mich doch jeden Tag darüber geärgert. Jeden Tag mit mir selbst diesen Disput führen, das ist doch absurd! Das ist doch kein Urlaub! Ich pflege eine enorme Ignoranz an mir selbst an diesem Punkt und schaffe es, das ist bitter, meinen Frust mit noch mehr Essen und Alkohol runter zu spülen. Jetzt höre ich meine Familie und meine Freundinnen: “Nein, du doch nicht! Du ernährst dich doch so gesund!”

Ist das, was ich da mache eine Form von Loslassen und Genuss? Ist das eine Stärke von mir, dass ich mich dem einfach mal hingeben kann? Schaffe ich damit die Balance zwischen Selbstfürsorge und Zwanghaftigkeit?

Fragen, die mich seit Jahren begleiten und mich herausfordern. Ich habe Lust nach Antworten zu suchen…..

….aber nicht jetzt ….