Es geht mir heute nicht so gut, soll ich trotzdem zum Sport gehen?

Keine Ahnung – da ist wieder diese Unzufriedenheit und Lustlosigkeit.Ohne Vorwarnung. Gestern habe ich beim Schwimmen noch gedacht, wie glücklich mich die Entscheidung für dieses Fitness – Studio macht und wie gut mir der regelmäßige Sport tut. Vielleicht habe ich es mal wieder übertrieben und zu viel gemacht? Egal welche Sportart und wie intensiv ich trainiere, sobald es mir Spaß macht und ich so richtig los lege, zeigt mir mein Körper meine Grenzen. Das ist total frustrierend!!!

Es ist nicht der Muskelkater. Das ist ein Schmerz, der ist fast ein wenig schön. Er zeigt mir nur, was ich geleistet habe und wo ich noch mehr Muskelaufbau benötige. Der „gemeine Schmerz“ ist der, der so richtig weh tut, mit dem habe ich dieses mal nicht wirklich gerechnet. Plötzlich bin ich auch wieder ganz erschöpft und müde. Auf dem Weg zum Studio komme ich kaum die U-Bahntreppe hoch. Meine Beine fühlen sich an wie Blei, als würden mich zwei starke Magneten nach unten ziehen.

Aber ich bin mir nicht sicher, ob meine Erschöpfung wirklich mit dem Sport zu tun hat. Ich habe gestern an der Begründung für die Klage gegenüber dem Gericht in Bezug auf meinen Rentenantrag geschrieben. Dabei gingen mir wieder alle meine Symptome und Beschwerden durch den Kopf. Mir wird bewusst, mit was ich mich tagtäglich abkämpfe und quäle.

Das „bisschen Sport“, denke ich in solchen Momenten, was bringt das schon?

Ich kann mir nicht helfen, aber jedes mal, wenn ich solche Anträge oder Formulare ausfüllen oder Texte über meine Erkrankung verfassen muss, kommt es mir vor, als müsse ich mich rechtfertigen. Ich empfinde das als unwürdig und erniedrigend. Das ist sicher auch Teil meiner Erschöpfung.

Bevor ich trotz meines Widerstands zum Sport gehe, lese ich online Zeitung. Dabei stoße ich zufällig auf einen Artikel mit der Überschrift:

„Wenn Gesundheit nicht selbstverständlich ist – was es bedeutet chronisch krank zu sein“

von Anna Linds bei Mit Vergnügen – Berlin veröffentlicht. Der Artikel berührt mich sehr, da ich mich in allem was die Autorin beschreibt wieder erkennen kann. Mir macht der Artikel gleichzeitig Mut. Es ist so wichtig, das wir Menschen mit chronischen Schmerzen über unser Leiden und Leben schreiben. Ich kann den Artikel nur empfehlen!

Also los! Die Sonne zeigt sich endlich mal wieder und mein Sport tut mir dann doch gut. Statt 20 min Laufband trainiere ich nur 10 min und statt zwanzig Bahnen schwimme ich nur zehn, aber immerhin. Danach gönne ich mir einen ausgiebigen Saunabesuch mit zwei Saunagängen und langer Ruhezeit. Der Ruheraum ist sonnendurchflutet und ich habe ihn ganz für mich alleine. Ich genieße diese köstliche Ruhe und träumend schlafe ich ganz kurz ein.

Ich träume von Brasilien, von den wunderschönen weißen Stränden und den unglaublich warm prickelnden Wellen im Meer….