Meine Karten für die Berlinale in der Hand, stehe ich bei sechs Grad minus draußen vor der Tür des Admiralspalastes.

Noch ist kein Einlass und das Gedränge vor dem Haupteingang wird immer schlimmer. Zum Glück scheint die Sonne und es herrscht eine freudige Stimmung unter den Berlinalebesuchern. In den letzten Jahren habe ich die Berlinale nur in den Medien verfolgt. Dieses Jahr hatte ich Zeit und Lust mich für die Karten in die Schlange an der Vorverkaufskasse zu stellen und habe Karten für zwei Filme. Es ist Dienstag und damit der vierte Tag der Berlinale.

Ich kann mich nicht daran erinnern, ob ich schon mal im Admiralspalast gewesen bin. Die Architektur und die Atmosphäre sind umwerfend schön. Das Licht fällt durch die bunten Glasfenster und lässt den ganzen Raum erstrahlen. Überall sind Nischen mit Klubsesseln und an den Stirnseiten befinden sich zwei große Bars.

Der Film, den wir uns anschauen heißt On Body and Soul ein hinreißend schöner ungarischer Liebesfilm. Auch das macht wohl diese besondere Stimmung aus. Wann geht man sonst schon so früh ins Kino? Heute habe in der Zeitung gelesen, dass der Film den goldenen Bären bekommen hat.

Nach dem Film fahre ich mit der S –  Bahn zum Zoologischen Garten. Ich möchte meine Tochter in der Uni besuchen. Sie studiert seit einem Semester an der Universität der Künste. Dort gibt es eine öffentliche Werkschau und ich bin schon ganz gespannt darauf ihre Werke und ihren Platz im Atelier zu  sehen. Noch immer ist der Himmel blau, die Sonne wärmt schon und auf dem Weg zur Uni kommen mir viele Menschen sehr extraordinär vor – Künstler eben!

Beim Betreten der Uni klopft mein Herz stark und aufgeregt.

Einerseits freue ich mich über alle Maßen, dass es meiner Tochter gelungen ist hier einen Studienplatz zu bekommen und andererseits bemerke ich eine gewisse Trauer – wie gerne hätte auch ich Kunst studiert! Die Vorstellung meine chronische Erkrankung hätten mich nicht gebremst und meine Eltern hätten mich mehr gefördert reget mich irgendwie auf. Eine Aufgeregtheit, die ich oft spüre, wenn ich mich mit meiner Vergangenheit konfrontiert sehe.

Beim Betreten des Ateliers umarmt mich meine Tochter und mir stockt der Atem. Ich bin tief beeindruckt von dem, was sie gerade geschaffen hat. Und von der intensiven Arbeitsatmosphäre, die hier herrscht. Gleichzeitig strahlt meine Tochter Leichtigkeit und Freude an dem künstlerischen Tun aus.

“Aufgabe von Kunst heute ist es, Chaos in die Ordnung zu bringen.”

(Zitat: Theodor Adorno)