Cabaçu – ein idyllischer Ort an der Bahia de Todos os Santos.

Bevor wir unsere Fahrt nach Cabaçu antreten, haben wir noch die Chance die Kunsthochschule Salvadors zu besuchen. An diesem Abend werden Werke von fünf Absolventen des Kunststudiums in einer Vernissage präsentiert und wir dürfen dem beiwohnen!

Ein Privileg, welches wir unseren Freunden in Salvador zu verdanken haben. Einer der Neffen gehört zu den Künstlern. Sein Name ist Artur Soares. Er hat einen Raum mit seinen Werken gestaltet, die in schwarzweiß gezeichnet, geklebt oder mit Spray direkt auf die Wand aufgetragen sind. Gemeinsam mit zwei anderen Künstlern gibt es eine Performance dazu, leider habe ich kein Wort verstanden. Allerdings sind seine Bilder und die der anderen darbietenden Künstler unglaublich beeindruckend, so wie die ganze Veranstaltung.

Inzwischen sind wir in einem Haus am Strand von Cabaçu. Ein Ort in der Bucht Todos do Santos os Bahia. Wir sind mit wieder einem anderen Neffen mit dem Bus hierher gefahren und gestern Abend im Dunkeln angekommen. Der Reiz von Cabaçu ergibt sich daraus, dass es kaum touristisch und daher absolut ruhig ist. Der weite Blick über die Bucht und das Meer, was hier den Gezeiten folgt, ist atemberaubend schön. Ähnlich einem Wattenmeer kann man bei Ebbe kilometerweit über Sand und Schlick laufen und dabei Krebse beobachten. Wenn Flut ist, kann man wunderbar in dem warmen Wasser planschen und irgendwann auch schwimmen.

Das Haus, in dem wir wohnen, liegt etwas außerhalb von Cabaçu und befindet sich direkt am Strand. Ein Gang über die Straße und schon kann man am Strand entlang laufen. Heute morgen war das allerdings nicht möglich, da wir den ersten tropischen Regen erlebt haben. Wie aus Kübeln hat es über mehrere Stunden gegossen.

Die Luft ist geschwängert vom Duft der Pflanzen und Früchte, die von den Bäumen gefallen sind.

Nach diesem Regenguss mache ich gemeinsam mit meiner Tochter einen Sparziergang am Strand. Alles um uns herum mutet märchenhaft an: die im Wind wehenden Palmen, der weiße Strand, das himmelblaue Wasser, die kleinen bunten Barracken und zwischen den Bäumen die kleinen Äffchen und grasende Pferde.

Gleichzeitig wird mir auch jetzt wieder bewusst: ich darf das nicht romantisieren! Auf dem Weg hierher sind wir durch kleine verschlafene Ortschaften gekommen, die zum Teil hübsche barocke Häuser und Kirchen besitzen und daneben Favelas, in denen die Menschen auf ganz engen Raum zusammen leben müssen. Obwohl in den letzten 10 Jahren viel investiert und viel Hoffnung in die Olympiade 2016 gesetzt wurde, ist die Armut stets sichtbar.

Bis heute bilden die Schwarzen die ärmste und am schlechtesten ausgebildete Bevölkerungsschicht des Landes. Vom Bus aus blicke ich unfreiwillig in die ärmlichen „Behausungen“ und auch in die vorbei fahrenden Busse, in denen sich die vielen Menschen auf ihrem Heimweg quetschen müssen. So eine Busfahrt ist mit Sicherheit eine einzige Qual.

Im Vergleich dazu sind wir, so wie wir zur Zeit reisen, absolut privilegiert.
Ich kann einfach nicht weg sehen und schäme mich, wenn ich an unsere 100 qm große Altbauwohnung in Berlin denke. Unsere Wohnung und unser Lebensstil ist im Grunde der pure Luxus und ich weiß das manchmal gar nicht zu schätzen!