Ein schmerzhafter Abschied – wir verlassen Brasilien

Es ist fünf Uhr morgens, ich liege im Bett und kann nicht mehr richtig schlafen. Die Sonne scheint warm und hell durch die roten Vorhänge in das Zimmer, in dem wir schlafen. Der Deckenventilator summt leise vor sich hin und draußen begrüßen die Vögel lauthals den beginnenden Tag, allen voran der Bemtivi, der wie immer der lauteste aller Vögel und überall zu hören ist.

Kurz denke ich: „Ich sollte aufstehen und mit meinem Smartphone eine Aufnahme machen – als Erinnerung!“. Aber ich bin zu müde und der Gedanke an den Abschied macht mich traurig. Am liebsten möchte ich einfach ewig hier liegen bleiben, dem Vogelkonzert lauschen und das köstliche Gefühl von Wärme, Lebensfreude und Leichtigkeit genießen.

Der letzte Abend hier in Salvador ist für mich eigentlich nicht in Worte zu fassen. Ich versuche es trotzdem: das ganze Haus unserer Freunde war voller Gäste. Es wurde der 81. Geburtstag der Oma und unser Abschied gefeiert. Alle Familienmitglieder, die in Salvador wohnen, waren anwesend. Beeindruckend viele junge Menschen kamen, um der Oma zu gratulieren. Es wurde gegessen, gequatscht und vor allem Musik gemacht und gesungen.

Kaum waren die ersten Gäste da, ergriff einer von ihnen die Gitarre, fing an zu spielen und sanft dazu zu singen. Der nächste holte sich eine Cajon und trommelte dazu. Dann kam noch eine Mandoline und das Tamburin dazu. Das Ganze klang für mich den ganzen Abend wie ein Livekonzert von professionellen Musikern, denn es waren einige Musiker unter ihnen. Anderseits waren in dem Gesang und der Musik und dem Lachen zwischendurch so viel Wärme und Nähe, das gibt es bei keinem Livekonzert. Irgendwann sagte unsere Freundin einige Worte zu unserem Abschied. Das war wieder einer der vielen Momente, in denen ich es sehr bedauert habe, die Landessprache nicht gelernt zu haben.

Das einzige Wort, was ich verstanden habe war: „Nossos Amigos“ – vielleicht habe ich den Rest auch nicht richtig verstanden, weil ich krampfhaft versuchte meine Tränen hinunter zu schlucken.

Der Abschied von Brasilien fällt mir wahnsinnig schwer!

Ich werde alles hier, das Lebensgefühl, die Wärme, die Sonne, die Farben und den Bemtivi schmerzlich vermissen. Am meisten schmerzt mich allerdings das Getrennt-sein von unseren Freunden – wer weiß, wann wir uns wieder sehen????