Wir sitzen im Bus auf der Fahrt von Lencois zurück nach Salvador da Bahia.

Obwohl ich drei Schichten langarmige T – Shirts und eine Fleece Jacke angezogen habe, ist mir kalt. Ich blicke aus dem Fenster, lasse die fast lieblich erscheinende hügelige Landschaft an mir vorüberziehen und meine Gedanken schweifen.

Die Tage in Lencois waren für uns beide, trotz gleich bleibend schlechtem Zustand meines Lebensgefährten, angenehm erholsam und ruhig. Wir haben viel Zeit mit lesen und schlafen in der Hängematte verbracht. Ich habe ab und zu kleine Stadtbummel unternommen und insgesamt für alle Freunde und Freundinnen zehn Paar Havaianas gekauft. Ich liebe diese brasilianischen Flipflops, die hier jeder trägt. Tatsächlich habe ich bisher kaum andere Schuhe getragen. Erstaunlicherweise hatte ich so wenig Rückenschmerzen wie schon lange nicht mehr.

Auch sonst habe ich bemerkenswert wenig Schmerzen. Reisen bedeutet für mich aufgrund meiner chronischen Erkrankung Fibromyalgie immer eine große Herausforderung. Es gibt zu viele Faktoren, die meine Schmerzen verschlimmern können. Zum Beispiel lange Busfahrten, bei denen ich mich nicht bewegen kann, sind schon häufig sehr qualvoll gewesen. Die falsche Matratze im Hotel, falsche Schuhe, schlechtes Kopfkissen, mangelnde Bewegung und falsche Ernährung. Ich wollte mich dieses mal besonders gut vorbereiten. Mein Gepäck bestand deshalb aus verschiedenen Medikamenten, mein Tens – Gerät, die Akupressur – matte, Schröpfgläser und Massageöl, Wärmepflaster und – salbe und meinem Dinkelkissen. Letzteres war das einzige, was ich regelmäßig gebraucht habe.

Ich kann nicht genau sagen, warum ich in den letzten Wochen hier in Brasilien so wenig Schmerzen hatte. Da ich aber immer Schmerzen habe, ist diese Zustand hier für mich paradiesisch schön – so wie das Land und die viele Natur!

Vielleicht hat es mit der Ernährung zu tun. Ich habe ich noch nie so viele frische Früchte verzehrt. Mein Frühstück bestand oft nur aus Mango, Papaya, Ananas und Bananen. Zu jedem Essen gab es einen frischen Saft – Suco naturais – wir würden dazu Smoothie sagen. Außerdem haben wir täglich frische agua de coco getrunken und das Essen bestehend aus Reis, Bohnen, Aipim und Farofa ist sogar von hiesigen Ärzten empfohlen und gilt als gesund.

Aber letztendlich mache ich die Wärme und die Sonne, die atemberaubend schöne Natur und die Gelassenheit und Fröhlichkeit der Brasilianer dafür verantwortlich, dass es mir so gut ging.

Wer jemals eine Reise nach Brasilien plant, sollte Lencois nicht verpassen. Es ist für mich eine wunderschöner Ort zum Kraft schöpfen und Energie tanken und einfach die Seele baumeln lassen.

Anmerkung: den Text habe ich in Brasilien geschrieben, konnte ihn aber jetzt erst veröffentlichen.