Direkt vor unserer Haustüre findet jährlich der Karneval der Kulturen statt.

In den letzten Jahren sind wir immer vor den Karneval geflüchtet und haben uns statt dessen ein ruhiges Plätzchen im Grünen außerhalb von Berlin gesucht. Als alteingesessene Kreuzbergerin ist mir der Karneval der Kulturen in seinen Anfängen als ein unglaublich buntes, fröhliches, multikulturelles und fast familiäres Strassenfest in schöner Erinnerung und so sollte es auch bleiben.

Der erste Karneval der Kulturen 1996 hatte mich sofort infiziert: ich liebte die Musik, die tollen bunten Kostüme, die kulinarischen Köstlichkeiten, und die Vielfalt. Mindestens zehn Jahre habe ich jährlich dem Fest entgegen gefiebert und ausgiebig gefeiert. Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass der Karneval zu einem „Saufund Fressfest“ verkommen ist.

Karneval 2017 – ich will mein Glück noch mal versuchen. Wir sind vor knapp zwei Wochen mehr oder weniger unfreiwillig aus Brasilien zurück gekommen und deshalb in Berlin. Ich studiere ausgiebig das Programm und muss gestehen, dass viele der angekündigten Bands vielversprechend klingen.

Zuerst schaue ich mir auf der Wiese die Trommelband Vetter – Sound an, die mit SambaRhythmen ordentlich Stimmung macht und mich an meinen Abend im Pelourinho erinnert.

Berlin - Karneval der Kulturen - Vetter Sound

Langsam kommt sogar die Sonne heraus und ich schlendere weiter. Die vielen handmade – Produkte, wie Schmuck, Textilien, biologische Lebensmittel und Kosmetik sind beeindruckend. 

An dem Stand von Blattrausch kann ich mich gar nicht satt sehen. Mir gefallen diese filigranen zarten Blätter aus Blattgold und Silber ausgesprochen gut. Sie rufen Erinnerungen an mein spielen mit Blättern und Blüten in meiner Kindheit hervor. Und ich freue mich ganz besonders, weil ich endlich eine schlichte, aber modisch sehr schöne Bauchtasche bei Reanimator – upcycling finde.

Als nächstes habe ich mir die Band „The Jooles“ausgesucht, die auf der Bühne namens Bazaar spielt und als „Vintage Pop“ angekündigt ist. Mit einem Bier von der Kreuzberger Bierbrauerei  Quartiermeister in der Hand setze ich mich in die Sonne, aber lange kann ich nicht still sitzen: ich muss tanzen! Tolle Musiker und eine tolle Stimme ziehen mich sofort in den Bann. Die Songs erinnern mich tatsächlich an „meine Musik“ vor 30 jahren (The Cure, The Smith, Pixies….).

Nach dem Konzert frage ich Daria, die Sängerin: „Wie kommt ihr zu eurer Musik?“ „Ach, das ist einfach Leidenschaft und geprägt von dem, was man so von den Eltern gehört hat“

Berlin - Karneval der Kulturen

Danke für das schöne Konzert!

„Ave Maria“ – vor mir in der Warteschlange stehen Brasilianer und der Klang ihrer Stimmen verursacht eine starke Sehnsucht in mir. Ich dachte, ich traue meinen Augen nicht, als ich den Stand mit Tapioca auf dem Fest am Blücherplatz entdeckte. Die vegane Variante ist zwar nicht ganz typisch für Brasilien, wie zu erwarten aber super lecker! Der Geschmack vom Tapioca ist für mich 100 % Brasilien!!!!

Weiter geht es in die Zossener Straße zum sogenannten „Grünen Bereich“, wo sich Vereine und  Projekte präsentieren, die sich für einen respektvollen Umgang mit der Umwelt einsetzten. Darüber lässt sich sicher streiten, aber für mich ist die Atmosphäre hier besonders schön.

Fazit des heutigen Tages: Berlin ist auch ein bißchen schön 🙂