Der Umzug – Karneval der Kulturen im Regen

Sonntag morgen, es regnet in Strömen! Fassungslos schaue ich jede Stunde aus dem Fenster, aber so wie es aussieht hat der Umzug der Karneval der Kulturen wieder mal Pech. Ich bewege mich trotzdem nach Draußen, denn ich möchte den Darstellern meinen Respekt zollen. Die Teilnehmer haben das ganz Jahr über geprobt und ihre Choreografie einstudiert. Sie haben es nicht verdient vor wenig Publikum ihr Können zu zeigen, aber wie zu erwarten sind nur wenig Menschen auf der Straße und auch der Applaus für die vorbeiziehenden Gruppen hält sich in Grenzen.

Meine Begeisterung für den Umzug leider auch. Meiner Meinung nach sind die Pausen zwischen den einzelnen Beiträgen zu lang und es ist ermüdend, im Regen auf die nächste Gruppe zu warten. Ich vermisse auch bestimmte, ziemlich spektakuläre Gruppen. Einzig die lateinamerikanischen Trommelbands lösen eine gewisse Euphorie in mir aus. Wer mich beeindruckt ist die Jugendgruppe „Was dich bewegt“ – schöne Performance!

Umzug beim Karneval der Kulturen - Jugendgruppe "Was dich bewegt"

Nachdem ich einige Stunden hin und her gelaufen bin, gehe ich wieder in Richtung Festival. Die Stimmung hier gefällt mir viel besser. Außerdem treibt mich Hunger und Durst an. Gestern hat mir das Bier vom Quartiermeister super gut geschmeckt, warum also nicht das Biobier probieren? Neben den bekannten großen Bierzelten sind einige kleinere Brauereien vertreten, mir persönlich schmeckt das vom Quartiermeister am besten und die Atmosphäre am Stand ist richtig entspannt und nett. 

Karneval der Kulturen - Berlin - Quratiermeister Bier

Kleine Pause, denn der Hunger treibt mich weiter und es gibt noch so viele verlockende kulinarische Ereignisse, die ich mir nicht entgehen lassen möchte. Als Veganerin befinde ich mich auf diesem Fest im Glück, denn es gibt ein unglaublich großes Angebot an veganen Gerichten. Wenn mir nicht von allen Seiten der Fleischund Grillgeruch und der Qualm in die Nase und Klamotten ziehen würde 🙁

Am Freitag  habe ich gleich zwei der köstlichen Tapioca und eine Portion Quinoa mit Aubergine, Walnuss, Korinader und Granatapfel von noush gegessen – eine wahre Geschmacksexplosion im Mund und unbedingt zu empfehlen für Menschen, die wie ich die persische Küche lieben. Feine Gewürze, frische Kräuter und eine leicht fruchtige Note – köstlich!

Heute führt es mich zu den Stand Surabi, wo es indonesische Pancake gibt. Ich bin neugierig, denn die Surabi kenne ich nicht, sehen aber schon vom Weiten knusprig und lecker und die Zubereitung interessant aus. Und was mir wichtig ist: es gibt eine vegane Variante mit Temphe. Ich werde nicht eintäuscht: der Geschmack ist einmalig! Die Kombination aus Teig, Temphe, Gewürzen und frischen Sprossen ist etwas für Feinschmecker! Zum Nachtisch hole ich mir ein HimmbeerEis mit Minze von paletas, womit meine kleine Mahlzeit eine wunderbare Ergänzung erfährt. Das Eis schmeckt herrlich fruchtig, nicht zu süß und die besondere Note der Minze ist erfrischend und nicht zu aufdringlich – genau nach meinem Geschmack!

Nun fühle ich mich gestärkt und ausgeruht, so dass ich mich wieder in den Umzug stürzen kann. Inzwischen ist es später Nachmittag und die letzten Wagen treffen langsam in der Gneisenaustraße/ Ecke Zossener Straße ein. In Erinnerung an alte Zeiten will ich mich einem TechnoWagen anschließen und ein bisschen mit tanzen. Daraus wird nichts, denn es ist viel zu voll. Hunderte von jungen Menschen folgen dem Waagen, es ist ein einziges Gedränge und Geschubse. Ich lasse mich treiben und genieße es trotzdem. Alle sind gut drauf und fürchterlich nett, die Kommentare witzig und die Stimmung bestens.

Völlig erschöpft, hungrig und durstig schlappe ich noch mal in die Zossener Straße, hole mir ein Bier und ruhe mich etwas aus. Und was passt besser zum Bier als Pommes mit Majo? Bei nice – fries gibt es sie handmade und als Topping die beste vegane Majonaise, die ich bisher in Berlin gegessen habe 🙂

Bei meiner letzten Runde über das Fest entdecke ich Mr.Zuckerrohr….wie konnte ich diesen Stand bisher übersehen???

Der frisch gepresste Zuckerrohrsaft, den ich vor wenigen Wochen in Brasilien getrunken habe, zaubert mir Sonne, Meer, Dschungel und Lebensfreude auf den Gaumen. Ein köstliches Getränk, bei dem ich sofort mit allen Sinnen wieder in Brasilien bin. Ein Getränk, das mich glücklich macht!!!

Das rundet für mich den Karneval wunderbar ab und zufrieden gehe ich nach Hause und ins Bett. Der Umzug hat mir nicht so gut gefallen, dafür war das Festival schön und hat mich mit vielem überrascht.