Berlin – meine Hassliebe!

Ich lebe seit dreißig Jahren in Berlin – Kreuzberg und manchmal geht mir die Stadt wahnsinnig auf die Nerven. Im Winter ist es absolut grauenhaft hier und ich frage mich jedes mal , warum ich ausgerechnet in Berlin leben muss. Es ist kalt, grau und hässlich! Im Winter würde ich am liebsten der Stadt für immer den Rücken kehren.

Jetzt ist Sommer und im Sommer ist Berlin wunderschön!

Wenn das Wetter stimmt, ist es vor allem in Kreuzberg ganz besonders schön. Im Moment sitze ich im Cafe Ahorn unter einer großen Kastanie im Schatten und schreibe an meinem Blog. Ab und zu weht der Wind den Duft der Lindenblüten zu mir rüber. Es ist sommerlich warm, ich genieße einen leckeren Salat und selbstgemachte Limonade und die vielen unterschiedlichen Sprachen, die um mich herum gesprochen werden. 

Ehrlich gesagt, tut mir mein Rücken noch ein wenig weh und müde bin ich auch. Es ist allerdings ein schönes Gefühl zu wissen, weshalb ich heute Schmerzen habe. Gestern war Fete de la Musique und ich war von vier Uhr nachmittags bis nachts um eins unterwegs. Zuerst habe ich mich bei uns im Kiez herum getrieben, allerdings hat mich die Musik nicht vom Hocker gehauen. Mit dem Bus bin ich gegen sechs Uhr abends zur Schillingbrücke gefahren, wo wie im letzten Jahr ein Techno – Open – Air vom  Ritter Butzke angekündigt war. Die Stimmung auf der Brücke war grandios, die Abendsonne glitzerte auf der Spree und tauchte alles in ein wunderschönes Licht. Mit einem Bier in der Hand habe ich am Straßenrand sitzend die Leute beobachtet. 

Nach einer Weile konnte ich nicht mehr an mich halten: ich musste tanzen! Ich bewege mich gerne zu Techno, noch lieber zu Goa – Musik und liebe es mich dem Rhythmus der Musik hin zu geben. Manchmal fühle ich mich beim Tanzen ganz leicht, so als könnte ich gleich abheben. Ich bin nur noch Musik und Bewegung. Tanzen ist Therapie für mich!

Aus diesem Grund habe ich auch nicht gleich mitbekommen, dass mich drei jüngere Frauen beobachtet und sogar mit ihrem Handy gefilmt haben. Ich habe mich darüber gefreut, weil ich das Gefühl hatte, die drei teilen meine Tanz – und Lebensfreude. 

Auf dem Weg nach Hause bemerke ich erst meine schmerzenden Füße und den Rücken, aber ich bin glücklich! Trotz meiner Fibromyalgie will ich Tanzen gehen, solange das geht. Ich ignoriere für einen kurzen Moment meine schlimmen Muskelschmerzen und nehme mehrere qualvolle Tage mit Schmerzen in Kauf. Ansonsten wäre ich schon tot. 

“Tanzen ist träumen mit den Füßen!”

Fred Astaire