Vor zehn Jahren, bei meiner ersten Reise nach Kreta, war mein Eindruck von der Hafenstadt Chania überwältigend. Damals sind wir von Piräus aus mit der Fähre nach Chania gefahren und ich habe Chania mit seinen vielen kleinen Gassen, den dicht befahrenen Hauptstraßen und den vielen Menschen als laut, hektisch, quirlig, interessant und unüberschaubar empfunden. Inzwischen war ich so oft hier, dass ich mich auch ohne Stadtplan ganz gut zurecht finde.

Ein guter Orientierungspunkt ist der Platz vor der Markthalle, die man übrigens allein wegen der wunderschönen Holzdecke besuchen sollte. Von hier aus führen vier große Hauptstraßen in alle vier Himmelsrichtungen. Eine davon ist die Odos Daskalogioannis, in der sich einige nette kleine Cafés,kleine Boutiquen und Shops, Buch –  und Seconhandläden aneinander reihen. Ganz in der Nähe befindet sich ein Platz mit einer großen Platane, in deren Schatten wir unseren griechischen Kaffee und die Ruhe genießen. An diesem Platz ist eine Kurosität und Andenken an die osmanische Vergangeneheit zu finden: eine Kirche mit Glockenturm und Minarett.  Hier sitzen hauptsächlich  Einheimische, spielen Tavli oder frühstücken. 

Wenn man sich treiben läßt, findet man überall in den verwinkelten Gassen und Plätzen antike, venezianische, osmanische und kretische Elemente. Vor allem in der Altstadt und dem alten venezianischen Hafen ist vieles erhalten geblieben. Allerdings ist es zunehemend schwieriger geworden trotz die vielen Souveniershops und den Billigschmuckläden die Atmosphäre zu genießen.

Trotzalledich an dieser Stelle das Restaurant Tamam empfehlen,  in dem man entweder draußen in der kleinen engen Gassen sitzen und essen oder drinnen in einem hübschen ehemaligen Hamam speisen kann. Das Essen dort ist seit mehr als zehn Jahren gleichbleibend herrausragend gut und sehr zu empfehlen.

Die Hafenstadt Chania hat aber neben der überlaufenen und sehr touristischen Altstadt auch noch einen Stadtstrand in der sogennannten Neustadt zu bieten. Hier befindet sich unser Lieblingskafenion „Asotos Yios“, wo man Kleinigkeiten essen und den großartigen Blick auf das Meer genießen kann. Die Atmosphäre ist besonders , weil hier fast nur Einheimische einkehren und es gelegentlich Vorträge und Lesungen gibt, die im ersten Stock des Kafenion stattfinden.

Wir haben uns viel Zeit gelassen diese wunderschöne Stadt kennen zu lernen und versuchen die weniger touristischen ruhigen Orte und Plätze zu finden. Ein unbedingtes Muss ist in jeder Hinsicht ein Besuch der Etz-Hayyim-Synagoge, die von außen betrachtet unscheinbar wirkt. Im Inneren finden sich viele Schwarzweiß- Fotos und Texte, ein Garten, dessen Schönheit inzwischen überwuchert ist und eine Synagoge, die verwittert und ein wenig vernachlässigt wirkt.