LykosThe Small Paradise

Auf dem Rücken liegend treibe ich im seichten Wasser und gebe mich dem Wiegen der Wellen hin. Die Sonne scheint mir ins Gesicht und zaubert in die Wassertropfen auf meiner Sonnenbrille einen kleinen Regenbogen. Es ist still um mich herum, nur das Klackern der Kieselsteine unter Wasser ist zu hören. Auf meine Arme und Beine glitzert die Sonne durch das Wasser hindurch. Helle Sonnenflecken tanzen auf meiner Haut wie kleine Leuchtkäfer. Heute ist ein wunderschöner Tag, das Wasser ist glatt und sanft wie ein Spiegel. Die Stimung in der Bucht könnte nicht friedlicher sein. Ich beende mein Bad mit ein paar kräftigen Schwimmzügen und ruhe mich auf einer der blauen Sonnenliegen aus.

Seit ein paar Tagen haben wir ein Zimmer bei Conny und Jorgo bezogen, wo wir beide uns am wohlsten fühlen. Alle Zimmer haben einen Balkon mit Blick auf das Meer und ein eigenes Bad. Ein schöner Rückzugsort ist die liebevoll gestaltete Terrasse mit den gemütlichen Liegen. Hier lässt sich fantastisch die Nachmittagssonne genießen. Die warmherzige Art von Conny, die immer ansprechbar ist und sich liebevoll um die Gäste kümmert, vermittelt mir den Eindruck des Zuhause seins.

Hier in der Bucht Lykos gibt es insgesamt vier Gästehäuser,  kleine Hotels, Familienbetriebe mit einigen wenigen Zimmern und teilweise einer Taverne. Das Haus von Conny und Jorgo ist am Ende der Bucht und damit ruhig gelegen. Zum Essen gehen wir auf die Terrasse vom „The Small paradise“, einem Gästehaus mit Restaurant, das seit 1978 von den beiden Brüdern Niko und Theo und ihren Ehefrauen und Kindern betrieben wird. Niko, der Koch und Theo sind übrigens Brüder von Jorgo, sowie von Michailis, der in Loutro lebt und die Gäste vom „The Small Paradise“ und Conny und Jorgo mit dem Motorboot in die Bucht fährt. In Nikos Restaurant gibt es hauptsächlich kretische Hausmannskost, die mit hauseigenen Produkten wie Fleisch, Fisch, Jogurt, Käse und Gemüse, zubereitet wird. Das Fleisch stammt von freilebenden Schafen und Ziegen.

Obwohl es mir hier durchaus gelingen könnte, mich vegetarisch zu ernähren, schaffe ich das nicht. Bei Gerichte, wie Stifado ( Ziegenfleisch oder Rinderfleisch in Tomaten – Zimt – Soße) oder Pastitsjo (Auflauf aus Makkaroni, Hackfleisch und einer Bechamelsoße) kann ich einfach nicht wiederstehen. Aber auch das vegetarische Boureki (Auflauf aus Kartoffeln, Zucchini und Käse) schmeckt köstlich.

The Small Paradise ist allerdings mehr als ein Restaurant. Auf der Terrasse findet sich immer ein sonniges oder schattiges Plätzchen zum Lesen, Schreiben oder Spielen. Morgens genießen wir in der warmen Morgensonne unser Frühstück (mein Favorit: Jogurt mit Honig!) und mittags vor allem die Ruhe. Abends herrscht oft Hochbetrieb und manchmal ergeben sich schöne Begegnungen. Wenn der große Sohn von Niko, Manoli zur Lyra greift und Theo dazu singt, ist das für mich so ein Ereignis, bei dem ich Gänsehaut bekomme.

Als ein „Ereignis besonderer Art“ kann man Aidin, die Frau von Theo bezeichnen. Aidin bedient den ganzen Tag von morgens bis abends die Gäste mit einer immer gleichbleibenden aufmerksamen und freundlichen Art, sie ist großartig! Sie hat immer alles im Blick, kümmert sich rührend um die Bedürfnisse der Gäste, arrangiert wenn nötig Arztbesuche oder geführte Touren und ist gleichzeitig stets für ihre drei Kinder da.

Ein weiterer „ LykosSchatz“ ist das kleine Gästehaus Georgoshouse. Um dort hin zu gelangen, muss man um den Nachbarn herum ans andere Ende der Bucht laufen. Die Terrasse bietet einen weiten offenen Blick auf das Meer und die Bucht. Die beiden Betreiber, Vageli und seine Frau Meni haben aus dem ehemals vernachlässigten Platz ein wunderschönes Kleinod geschaffen mit herrlichem bunten Garten, mehreren Hängematten und verschiedenen sonnigen und schattigen Plätzen, die zum essen, lesen oder einfach auf’s Meer blicken, einladen. Meni ist eine grandiose Köchin und wir kommen oft zum essen hierher. Das Georgohouse gibt es in dieser Form noch nicht lange, es ist aber längst nicht mehr weg zu denken und eine absolute Bereicherung für die Bucht. Meni und Vageli sind beide entspannt, freundlich und humorvoll und wer es ein bißchen rustikaler mag, der kann sich hier am Strand auch ein Zelt aufschlagen.

Auch in diesem Jahr genießen wir „The Small Paradise“ in vollen Zügen und hoffen, dass es noch lange so bleibt, wie es ist!